
Prothesen - Handtransplantation
Erste Prothese
Eine ganz besondere Rolle in
meinem Leben spielt der
Orthopädietechniker Robert Maier
aus Klagenfurt, der zu einem
meiner besten Freunde geworden
ist. Mitte Oktober 1994 nahm
Maier einen Gipsabdruck von
meinem rechtem Armstumpf und
bereits eine Woche später setzte
er mir die Armprothese auf der
rechten Hand auf. Die linke
Hand, die schwerer verletzt
wurde, war noch nicht abgeheilt.
Ich war der erste Patient, dem
die neueste elektrische Prothese
der Firma Otto Bock aus Wien
angepasst wurde. Bis ich die
Prothese bedienen konnte,
verging einige Zeit. Tag und
Nacht übte ich die
Bewegungsabläufe und lernte
allmählich meine künstliche Hand
zu gebrauchen. Ich musste erst
das Gefühl für die feinen
Muskelimpulse erlangen, mit
denen ich die Prothese steuerte.
Das war primär Kopfarbeit.
Anfangs sind viele Gläser
zerbrochen. Die erste Prothese
war auch nicht so fein
steuerbar.
Die Ausfahrt mit 2 Prothesen
Die alltägliche Situation
Künstliche Hände
Die Wunderwerke, die mir wieder
ein aktives Leben ermöglichten,
stammen von der Firma Otto Bock
in Wien, die weltweit führend in
der Herstellung von Passteilen
für Arm und Beinprothesen ist.
Sie gehört zur Otto Bock
Firmengruppe aus Duderstadt in
Deutschland, die mit über 2.700
Mitarbeitern weltweit in den
Bereichen Gesundheit,
Kunststoffe und
Informationstechnologie tätig
ist. Zum Bereich Gesundheit
gehören orthopädische Behelfe
wie Prothesen, Orthesen, Schuhe,
Einlagen, Rollstühle und andere
Hilfs- und Pflegemittel.

Mit der modernsten Prothese von der Fa. Otto Bock ausgestattet
Früher wurden ganze Prothesen
von Orthopädiemechanikern
individuell angefertigt. Jetzt
gibt es bereits vorgefertigte
Teile, die nur noch an die
speziellen Bedürfnisse der
Patienten angepasst werden
müssen. Die Firma Bock hat sich
auf die industrielle
Serienfertigung von Passteilen
spezialisiert. Passteile sind
das Innenleben einer Prothese,
das technische Skelett, das mit
Formteilen aus Kunststoff
überzogen ist, die einem Arm
oder Bein verblüffend ähnlich
schauen. In der Praxis
unterscheidet man zwischen
kosmetischen Armprothesen, zu
betätigten Armprothesen und
elektrisch gesteuerten
Armprothesen.
Zu den neuesten Entwicklungen in
der Armprothetik gehören
mvoelektrisch gesteuerte
Armprothesen. Myo ist aus dem
griechischen Wort myo; (=
Muskel) abgeleitet. Nach der
Amputation bleiben stets Reste
der ursprünglichen
Greifinuskulatur vorhanden. Bei
jeder Kontraktion eines Muskels
entsteht aufgrund eines
biochemischen Vorgangs eine
elektrische Spannung, die auf
der Haut gemessen werden kann.
Diese elektrische
Wechselspannung auf der Haut
wird durch Steuerelektroden
abgenommen.
Die sehr geringen Spannungen,
die zur Steuerung der Prothese
genutzt werden, liegen im
Mikro-Volt-Bereich. Von meist
zwei Elektroden werden die am
besten geeigneten
Muskelspannungen vom Armstumpf
abgenommen, verstärkt und als
Steuerimpulse zum Offnen,
Schließen und Drehen der
Elektrohand verwendet. Mit einer
Prothese (der Elektrohand) sind
lediglich der so genannte
Dreifingerspitzgriff
(Mittelfinger, Zeigefinger und
Daumen) und einfache
Greifbewegungen möglich.
Das Innenleben meiner
Armprothese war eine Otto Bock
System-Elektrohand mit
proportional gesteuerter Dynamic
Mode Control (DMC). Bei der
Dynamic Mode Control steuern
zwei unabhängige Mess- und
Regelsysteme
Griffgeschwindigkeit und
Griffkraft proportional. Die
Griffgeschwindigkeit und
Griffkraft werden direkt von der
Höhe des Muskelsignals bestimmt.
Damit wird das sanfte Erfassen
auch von kleinen und
zerbrechlichen Gegenständen
möglich. Es erfordert viel
Übung, bis man das beherrscht.
Die Elektrohand ist mit einem
kosmetischen Handschuh
überzogen. Als Energie- quelle
dient ein 6-Volt-Akkumulator,
der im Prothesenschaft
untergebracht ist und vom
Patienten selbst gewechselt
werden kann.
Sensorhand
Die sensiblen Funktionen wie
Kälte-Wärme-Empfindungen und das
Wahrnehmen von Berührungsreizen
fehlen der Prothese. Mit der
Sensor Hand, einer Entwicklung
der Firma Otto Bock in
Zusammenarbeit mit der Schweizer
Allgemeinen
Unfallversicherungsanstalt, ist
ein verbessertes Greifen
möglich. Sie ist mit einem
SUVA-Sensor ausgestattet. Die
Sensor Hand erkennt, wenn der
ergriffene Gegenstand seine Lage
verändert (rutscht) und
reguliert die Griffkraft
automatisch nach. Dadurch wird
die Griffsicherheit wesentlich
erhöht.
Entscheidend für die Qualität
der Armprothese ist letztlich
die Arbeit des
Orthopädie-Technikers. Besonders
wichtig für die Qualität und
Funktion der Prothese ist die
individuelle Stumpfbettung. Die
Eigenarten des Stumpfes müssen
berücksichtigt werden und die
Bewegungsfreiheit der Gelenke
muss erhalten bleiben.

Mein Orthopäde Robert Maier, war für mich jederzeit erreichbar. Mein Motorradmechaniker der ersten Stunde Umbau auf Prothesenbetrieb Gerhard Tusch
Der Orthopädie-Techniker
erstellt zuerst einen exakten
Gipsnegativ-Abdruck am
Patienten. Über das anschließend
gefertigte Gipspositivmodell
wird die Stumpfbettung aus
Gießharzlaminat hergestellt. Bei
myoelektrisch gesteuerten
Armprothesen müssen die
Elektroden dann an den optimalen
Punkten präzise angebracht
werden. Die gesamte Armprothese
besteht aus der Stumpfbettung -
die auch Innenschaft genannt
wird - dem Außenschaft sowie den
fertigen System-Bauteilen. Die
Prothese wird nach der
Amputation auf dem Armstumpf
aufgesetzt und von einem
Orthopädietechniker exakt
angepasst.
Handtransplantation
Prothesen seid's gewesen
Ich dachte im Oktober 1994
erstmals daran, mir Hände eines
Verstorbenen verpflanzen zu
lassen. Ich schrieb alle
Universitätskliniken in
Österreich an, bekam aber
durchwegs ablehnende Antworten.
Die Ärzte teilten mir mit, dass
sie noch nicht über die
notwendigen medizinischen
Erfahrungen verfügten; einige
rieten mir von dieser Operation
ab. Ich blieb unbeirrt, ein
Leben mit richtigen Händen
wollte ich wieder führen.
Lediglich der Innsbrucker
Chirurg, Universitäts-Professor
Dr. Raimund Margreiter, machte
mir Hoffnung.
Fünf Jahre später, 1999, schien
die Zeit reif für solche
medizinische Leistungen:
* Am 23. September 1998 ist in
Lyon, Frank- reich, dem
48jährigen Neuseeländer Clint
Hallam die Hand eines Toten
verpflanzt worden.
* Am 24. Januar 1999 wurde dem
38-jährigen Amerikaner Matthew
Scott in Luisville, Kentucky,
eine linke Hand verpflanzt. Er
kann greifen, tasten und auch
schreiben.
* Am 13. Januar 2000 nähte ein
18 köpfiges Ärzteteam dem
33-jährigen Franzosen Denis
Chatelier zwei fremde Hände an.
Meine neuen Hände
Dieses großartige Ärzteteam hat am 7. März 2000 es möglich gemacht, mir neue Hände zu transplantieren
Hintere Reihe: v.l.n.r Prof. Dr. Gabl, Prof. Dr. Wechselberger, Prof. Steurer
Vordere Reihe: v.l.n.r. Fr.Prof. Piza, Dozent.Dr. Pechlaner, Prof. Dr. Magreiter

6
Jahre
danach
Nach langen Warten ging ein
Traum in Erfüllung. Den exakt am
28.Oktober 1994 um 03.00 Uhr,
träumte ich im
Rehabilitationszentrum Tobelbad
in der Steiermark von meinen
neuen Händen. Und siehe da, am
7. März 2000, also 6 Jahre
danach, wachte ich in der
Innsbrucker Universitätsklinik,
50 Stunden nach
Operationsbeginn, mit 2 neuen
Händen auf.
Als ich dies realisierte, waren
diese Hände sofort
Meine Neuen Hände
und wurden diese sowohl von meinen Geist, als auch von meinem Körper angenommen.

Sehr großes
mediales
Interesse
Mein erstes Interview mit der
Kleinen Zeitung, dieser Bericht ging in die ganze Welt hinaus und wir können
stolz darauf sein, dass diese großartige Transplantation ist Österreich und in
Innsbruck stattgefunden hat.
Sehr umfangreiche Therapie
Nach dieser so erfolgreichen Doppelhandtransplantation war eine sehr umfangreiche Therapie notwendig. Es wurde ein völlig neues Therapiekonzept nach Prof. PERFETTI angewendet.
Es wurden die Kognitiv Therapeutischen Übungen bestehend aus Vorstellung, Imagination und Bewegung, durchgeführt. Insgesamt wurden von mir in Innsbruck und im LKH - Klagenfurt 5000 Stunden von dieser Therapieform absolviert.
![]() Besuch im Krankenzimmer |
![]() Beginn mit der Therapie |
![]() Das Team der Physiotherapie in Innsbruck |
Eine kleine Runde mit Prof. Margreiter

Die erste Ausfahrt mit Prof. Dr. R. Magreiter mit dem Motorrad nach 1 1/2 Jahren
Wie man es in seinem Gesichtsausdruck erkennen kann, war er anfänglich nicht gerade begeistert von dieser Rundfahrt mit dem Motorrad. Aber Prof. Dr. Magreiter ließ es sicht nicht nehmen mit mir als seinen ersten Patienten , welcher Doppelhand transplantiert ist und noch dazu leidenschaftlicher Motorradfahrer , eine Runde durch das gesamte Krankenhausgelände der Innsbrucker Universitätsklinik zu fahren. Zum Schluss war er richtig begeistert von dieser Fahrt und stolz drauf, dass es so super funktioniert hat.